2015 - Der kaukasische Kreidekreis

nach Bertolt Brecht


Das Theater "der Kreis" entführt sie in eine Welt am Kaukasus, die für uns zwar in weiter Ferne scheint, bei genauerem Betrachten aber ebenso gut in unserem Land spielen könnte. Das Nachkriegsmärchen von Bertolt Brecht hat nichts von seiner Aussagekraft verloren, und ist heute aktueller den je. 
Erneut stehen Städte am Kaukasus in Flammen. Macht und Geld fordern ihren Tribut. Menschen auf der Flucht aus Sorge um ihr eigenes Leben. Vertrieben aus dem Land dass sie ihre Heimat nannten.  

Unverändert bleibt die Frage: Wem gehört das Land, die Heimat? Wer ist der wahre Besitzer?
Der der es bewirtschaftet, sich drum kümmert, oder dem, der es schon von jeher besessen hat?

Christoph Brück hat das Stück 1996  für das Tournee- Theater Landgraf inszeniert und bekam für seine Inszenierung den Inthegapreis (1. Platz).

Hier ein kleiner Auszug aus den Kritiken von 1996:

 

Schwäbische Zeitung  5.12.95

Sternstunde des Theaters

Saulgau. Es war eine Sternstunde des Theaters, die sich am vergangenen Samstag in der ausverkauften Saulgauer Stadthalle bot. Bei der Aufführung von Bertolt Brechts "Kaukasischem Kreidekreis" stimmte einfach alles: nicht zuletzt die hervorragende Besetzung und Regie. Diese Landgraf-Produktion war eines der echt seltenen Theatererlebnisse, das die Besucher von Anfang bis Ende gefangen nahm und durch eine geschlossene Ensemble-Leistung bestach.

Regisseur Christoph Brück hat beim Kaukasischen Kreidekreis alle,aber auch wirklich alle Register seines Könnens gezogen und offensichtlich ganz im Sinne Brechts. Walter Benjamins Bonmot aufs Beste beherzigt:"Kurzweil  klart auf. Langweil verdummt". Es war ein Feuerwerk von Einfällen, von verdeckten Botschaften, eine herrliche Mischung von Slapstick und Dramatik, mit dem Brück den Moralisten Brecht und sein Zeigefinger-Theater auf die Bühne brachte. Herrlich, wie etwa die Mächtigen in ihren Masken und Kostümen als Karikaturen ihrer selbst erscheinen und Brechts Idee der Verfremdung umgesetzt wurde. Oder wie er die Panzerreiter, als sie die Magd Grusche bedrohen, mit ihren phallusgleichen Waffen als Inbegriff und Symbol einer zweifelhaften Männermacht entlarvt.

Mit Peter Bause in der Rolle des Erzählers und Richter Azdak hat Christoph Brück einen wahren Glücksgriff getan. Bause füllte die Bühne stimmgewaltig aus. Als Armeleute -Richter Azdak, der mit seinen unkonventionellen Methoden Furore macht, bei seinen Verhandlungen säuft, sich in aller Öffentlichkeit bestechen lässt ohne sich dafür erkenntlich zu zeigen, der schließlich die Armen zu ihrem Recht kommen läässt, verstand es Bause bestens, die Ambivalenz dieser Person darzustellen. Eine Glanzleistung, wie er in Robe und mit Weinkrug, auf dem Gesetzbuch seine Gerichtsverhandlung führt und dabei zwischen Komik und Weisheit osszilliert.

Nicht weniger beeindruckend Susann Uge als Grusche, die im Verlauf der Aufführung eine beeindruckende Entwicklung von der naiv-dümmlichen Magd zur engagierten Kämpferin vor Gericht durchmacht und den hergebrachten Gerechtigkeitsbegriff in Frage stellt. Keinen geringen Anteil an der glänzenden Inszenierung hatte auch Jürg Luchsinger, der als virtuoser Akkordeonspieler für die Musik verantwortlich zeichnete und die Melancholie des Stückes auf kongeniale Weise unterstrich.

Wer von Brechts schablonenhafter Weltsicht, die er in seinen Lehrstücken dem Publikum nahezubringen versucht, abzusehen vermag, der hat am vergangenen Samstag großes Theater erleben können. Ein Abend der gezeigt hat, dass das Theater, manchen Unkenrufen zum Trotz, sich gegen Medienkultur aus zweiter Hand und kommerzielle Musicalisierung a' la Miss Saigon, Cats oder Phantom der Oper behaupten kann. Es muss nur so gut gemacht sein, wie hier von Christoph Brück.

Noch heute führt das Theater Landgraf das Stück auf. Zur Zeit in der Regie des damaligen Hauptdarstellers Peter Bause. Vieles von der Inszenierung von Christoph Brück wurde übernommen und in die neue Arbeit mit eingeflochten, so dass das Stück immer noch ein großer Erfolg auf den deutschen Bühnen ist.

 

Liebe Zuschauer freuen Sie sich auf 2015 und auf den "kaukasischen Kreidekreis", gespielt vom Theater der Kreis - Theater im Vinschgau, Regie Christoph Brück.  

 

 

 

Back to Top